Schwere oder geschwollene Beine: wann Sie zum Arzt sollten
Die meisten schweren Beine sind harmlos, einige Warnzeichen dürfen Sie aber nie abwarten. Ein plötzlich einseitig geschwollenes, schmerzendes, warmes oder gerötetes Bein kann eine tiefe Beinvenenthrombose bedeuten und muss noch am selben Tag ärztlich untersucht werden. Kommen Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen hinzu, rufen Sie sofort die 112. Für alles andere gilt: Halten Beschwerden über Wochen an oder verändern sich Haut und Venen, ist ein Termin bei Ihrer Hausarztpraxis oder beim Phlebologen sinnvoll. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Wann müssen Sie sofort handeln?
Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn zu Beinbeschwerden Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen, Bluthusten oder Ohnmacht kommen; das kann eine Lungenembolie sein. Lassen Sie ein plötzlich einseitig geschwollenes, schmerzendes, warmes oder rötlich bis bläulich verfärbtes Bein noch am selben Tag ärztlich untersuchen.
Sofort 112: Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen, Bluthusten, Kollaps, besonders zusammen mit einem schmerzenden oder geschwollenen Bein.
Noch heute ärztlich untersuchen lassen: ein Bein deutlich dicker als das andere, Schmerzen in Wade oder Oberschenkel, Spannungsgefühl, Überwärmung, Rötung oder bläuliche Verfärbung. Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117 oder Notaufnahme.
Ebenfalls dringend: ein kaltes, blasses, sehr schmerzhaftes Bein (möglicher Gefäßverschluss einer Arterie) oder eine heiße, gerötete, sich ausbreitende Schwellung mit Fieber (mögliche Wundrose).
Nehmen Sie bei Verdacht auf eine Thrombose keine eigenen Maßnahmen vor, massieren Sie das Bein nicht und warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird. Die Diagnose ist mit Ultraschall schnell möglich, und eine früh begonnene Behandlung senkt das Risiko für Komplikationen deutlich.
Was ist eine tiefe Beinvenenthrombose?
Bei einer tiefen Beinvenenthrombose verschließt ein Blutgerinnsel eine tiefe Vene im Bein oder Becken ganz oder teilweise. Löst sich ein Teil davon, kann er mit dem Blutstrom in die Lunge gelangen und eine lebensbedrohliche Lungenembolie verursachen.
Das Risiko steigt nach Operationen, bei Bettlägerigkeit, nach einem Gips oder einer Verletzung am Bein, auf langen Reisen, in Schwangerschaft und Wochenbett, unter östrogenhaltiger Verhütung oder Hormontherapie, bei Krebserkrankungen, bei starkem Übergewicht und wenn Sie schon einmal eine Thrombose hatten. Nicht jede Thrombose macht deutliche Beschwerden; manchmal ist nur ein leichtes Ziehen in der Wade spürbar. Wer Risikofaktoren hat und solche Veränderungen bemerkt, sollte deshalb lieber einmal zu oft als zu spät nachfragen. Von der tiefen Thrombose zu unterscheiden ist die oberflächliche Venenentzündung (Thrombophlebitis): eine gerötete, verhärtete, schmerzhafte Vene direkt unter der Haut, oft an einer Krampfader. Auch sie gehört zeitnah in ärztliche Hände, weil sie in tiefe Venen übergreifen kann.
Wann sollten Sie in den nächsten Tagen zum Arzt?
Zeitnah, also innerhalb weniger Tage, sollten Sie ärztlichen Rat suchen bei neuen Schwellungen an beiden Beinen mit Atemnot oder rascher Gewichtszunahme, bei schmerzhaften, geröteten Krampfadern, bei Hautveränderungen und bei Wunden am Unterschenkel, die nicht heilen.
- Beidseitige Schwellungen mit Atemnot, Leistungsabfall oder Gewichtszunahme: mögliche Hinweise auf Herzschwäche oder Nierenerkrankung.
- Schmerzhafte, gerötete, verhärtete Vene: mögliche oberflächliche Venenentzündung.
- Bräunliche Verfärbungen, Ekzeme, verhärtete Haut am Knöchel: mögliche Zeichen einer fortgeschrittenen Veneninsuffizienz.
- Offene Stelle am Unterschenkel, die nach zwei Wochen nicht heilt: mögliches Ulcus cruris.
- Schwellungen in der Schwangerschaft, die plötzlich zunehmen oder mit Kopfschmerzen und Sehstörungen einhergehen: sofort in die Frauenarztpraxis oder Klinik.
Wann reicht ein regulärer Termin?
Ein regulärer Termin in der Hausarztpraxis ist sinnvoll, wenn schwere Beine über mehrere Wochen bestehen, wenn sich Krampfadern bilden oder vergrößern, wenn Schwellungen über Nacht nicht mehr zurückgehen oder wenn Sie ein neues Medikament nehmen und seitdem geschwollene Knöchel haben.
Auch wenn Sie eine familiäre Veranlagung zu Venenleiden haben oder eine symmetrische, druckschmerzhafte Vermehrung des Fettgewebes an den Beinen bemerken, lohnt sich ein Gespräch, weil dahinter ein Lipödem stecken kann. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie zur weiteren Abklärung zu einem Phlebologen, in eine lymphologische Praxis oder zur Kardiologie überweisen. Notieren Sie vorher, seit wann die Beschwerden bestehen, wann sie stärker werden und welche Medikamente Sie nehmen.
Wie werden die Beine untersucht?
Die wichtigste Untersuchung ist der farbcodierte Duplex-Ultraschall, mit dem Ärzte den Blutfluss in den Venen sehen, defekte Venenklappen erkennen und eine Thrombose ausschließen oder bestätigen können. Die Untersuchung ist schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung.
Bei Verdacht auf Thrombose wird häufig zusätzlich ein Bluttest auf D-Dimere gemacht, der vor allem zum Ausschluss dient. Je nach Befund folgen Blutuntersuchungen zu Herz-, Nieren- und Schilddrüsenwerten, ein EKG oder weitere Untersuchungen. Medizinisch notwendige Untersuchungen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Mehr über mögliche Ursachen lesen Sie im Ratgeber Ursachen schwerer Beine, Alltagsmaßnahmen bei harmlosen Beschwerden in den Tipps für den Alltag.
Und was ist mit Nahrungsergänzungsmitteln?
Bei Warnzeichen ist kein Nahrungsergänzungsmittel eine Option, auch nicht unser Produkt LymphActiv. LymphActiv ist kein Arzneimittel und behandelt weder Thrombose noch Venen-, Lymph- oder Herzerkrankungen.
Wenn Sie blutgerinnungshemmende Medikamente verschrieben bekommen, ist das besonders wichtig: LymphActiv enthält Bromelain, Rosskastanie und Seekiefernrinde, die in der Literatur mit einem möglichen Einfluss auf die Blutgerinnung in Verbindung gebracht werden. Fragen Sie in diesem Fall vor jeder Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Alle Hinweise stehen auf der Seite Nebenwirkungen und Sicherheit. Zurück zur Übersicht Schwere Beine.
Häufige Fragen
Welche Nummer wähle ich nachts oder am Wochenende?
Bei Atemnot, Brustschmerzen oder Kollaps immer den Notruf 112. Bei einem geschwollenen, schmerzenden Bein ohne diese Zeichen erreichen Sie in ganz Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, oder Sie gehen in die Notaufnahme eines Krankenhauses.
Brauche ich für den Phlebologen eine Überweisung?
Für Fachärzte brauchen gesetzlich Versicherte in Deutschland nicht immer eine Überweisung, sie erleichtert aber oft die Terminvergabe. Über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter 116117 können Sie mit Überweisung einen Facharzttermin vermitteln lassen.
Muss ich mit schweren Beinen in der Schwangerschaft zum Arzt?
Leichte Schwellungen am Abend sind in der Schwangerschaft häufig. Plötzliche oder einseitige Schwellungen, Schmerzen im Bein oder Schwellungen zusammen mit Kopfschmerzen und Sehstörungen sollten Sie aber sofort in Ihrer Frauenarztpraxis oder Klinik abklären lassen.
Zahlt die Krankenkasse den Ultraschall der Beinvenen?
Ja, wenn er medizinisch begründet ist, etwa bei Beschwerden, Krampfadern oder Verdacht auf Thrombose. Reine Vorsorge-Untersuchungen ohne Anlass sind dagegen oft eine Selbstzahlerleistung.
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie (federführend: Deutsche Gesellschaft für Angiologie).
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie: Patienteninformationen zu Thrombose und Varikose.
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Thrombose; Lungenembolie.
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Tiefe Venenthrombose.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117.